Tipps zu Radtouren

Radfahren im Kurpark Bad Gögging (9298101599) (3)

 By Bad Gögging from Bad Gögging, Deutschland [CC-BY-2.0], via Wikimedia Commons

 

Radrouten und -netze

Beschilderte und ausgebaute Routen und Netze sind für Radreisen nicht zwingend erforderlich, aber die beste Möglichkeit, Fahrradtourismus zu fördern. So lassen sich mit entsprechendem Aufwand auch in engen Tälern mit stark KFZ-belasteter Hauptstraße attraktive Routen schaffen. Radwandernetze sind heute auch ein Mittel bislang wenig bekannter Urlaubsregionen, sich bekannter zu machen, oder schon bekannter Länder und Regionen, um von einem bisher eher einseitigen Image wegzukommen. So demonstrieren die Schweiz (Veloland Schweiz) und Österreich, dass sie nicht nur Hochgebirge haben – aber auch, dass diese Gebirge mit dem Rad erwanderbar sind, und die Insel Usedom, dass sie nicht nur Badeküste ist.
In etlichen europäischen Ländern hat man schon früh begonnen, landesweite Netze zu planen. Auf Europa-Ebene (ECF) konzipierten Engländer, Franzosen und Skandinavier schon in den 1990er Jahren ein europaweites Netz. In Deutschland entstanden zwar schon Anfang der 1980er Jahre in regionaler Initiative die ersten Radwanderwege. Die Vernetzung innerhalb der Bundesländer kam in Baden-Württemberg frühzeitig, in anderen Ländern aber erst später zustande. Das bundesweite Radnetz Deutschland kam zuletzt und basiert auf vorhandenen Routen. Inzwischen ist auch Deutschland am EuroVelo-Netz beteiligt.

 

Schon in den 1980er Jahren, lange vor offiziellen Netzkonzepten, waren in den Niederlanden detaillierte Routenbeschreibungen für Fernreisen auf dem Markt, z. B. von den Niederlanden nach Skandinavien oder nach Rom.

 

Informationsmittel

Wegweiser mit verschiedenen Rad-Touren im Landkreis Grafschaft Bentheim

Fahrradreiseführer und Radwanderkarten gibt es inzwischen für europäische Länder flächendeckend. Das ist Teil der Markttendenz, Karten für bestimmte Zielgruppen zu drucken statt einer Karte für alle. Vorhandene Wegweisungen lassen sich wesentlich besser bewerten und benutzen, wenn sie anhand einer Landkarte nachzuvollziehen sind. Teilweise tritt allerdings die kartografische Information hinter werbenden touristischen Logos zurück. Zusätzlich wurden Spiralhefte im Querformat entwickelt, die in das Sichtfenster einer Lenkertasche passen.

Auch im Internet gibt es zahlreiche Informationen für Radreisende, kostenfreie wie kostenpflichtige. Manches davon ist nur Werbung für ein Druckerzeugnis, aber vieles beinhaltet auch detaillierte Routeninformation. Es gibt Kartenserver, Routenplaner wie den von Nordrhein-Westfalen, ausgearbeitete Routen in Kartenform sowie GPS-Tracks.

 

Routenwahl und Routenplanung

Beliebt ist eine Radreise flussabwärts entlang der großen Flusstäler (z. B. Donau-Radweg). Im Flachland lassen sich Flussrouten zwar wegen der bekannten Flussnamen gut vermarkten, sind aber oft weniger abwechslungsreich als flussunabhängige Routen. Gerade im Flachland können Radreisende mit tagelangem Gegenwind zu kämpfen haben. Der ist eventuell zermürbender als ein Gebirgspass, der erst Kraft kostet, dann aber jenseits der Passhöhe mit einer langen Abfahrt belohnt. Aber auch hügeliges Terrain mit stetigem auf und ab führt zu anspruchsvollen Routen. Bei Gebirgspässen sind für die Auffahrt Routen ohne starken Kraftfahrzeugverkehr von Vorteil, um bei der Anstrengung das Einatmen gesundheitsschädlicher Abgase zu reduzieren. Für die Abfahrt sollten die Reisenden dagegen Schotter und Steilstrecken vermeiden, auch hierbei ist Kraftfahrzeugverkehr ein besonderes Sicherheitsrisiko für den Radfahrer.
Für die Tourvorbereitung sind topografische und ähnliche Karten mit Höhenlinien von Vorteil, besonders geeignet sind spezielle Radwanderkarten. Am Wetter erwägen erfahrene Reiseradler neben den möglichen Windrichtungen noch Anderes, z. B. Kälteeinbrüche im Gebirge, generell niedrigere Temperaturen auf höheren Bergen, Auskühlung bei langen Bergabfahrten, Hitze in Tälern und an Südhängen. Besonders windexponiert sind Wege auf Deichen. Guten Wind- und Sonnenschutz bieten Wälder. Nach starken Regenfällen können Uferwege überflutet sein und Fähren ihren Betrieb wegen Hochwassers einstellen. Die Kfz- und damit Abgasbelastung mancher Straßen und die Belebtheit von Promenadenwegen ist an Sonn- und Feiertagen ganz anders als unter der Woche, an vielbefahrenen Strecken gilt das auch für den Radverkehr selbst. Für Mountainbiketouren abseits der Straßen ist bei der Routenplanung auf das Vorhandensein von Wegen, die befahrbar und auf denen Radfahren zulässig ist, zu achten – die meisten alpinen Vereine pflegen Listen von radtauglichen Bergrouten.

Weserradweg b Oedelsheim

Radweg im Flusstal, Mittelgebirge (Weserradweg zwischen Hannoversch Münden und Bad Karlshafen)

Bildnachweis:By User:Ulamm (own photographe) [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Vulkan225a

Radweg in hügeligem Terrain, Mittelgebirge (Vogelsberger Südbahnradweg vor Birstein)

Bildnachweis: By Dr. Karl Schlemmer;Karlschlemmer at de.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons

 

Drauradweg

Radweg im Flusstal, Hochgebirge (Drauradweg bei Radlach, Österreich)
Bildnachweis: By Philipp Steiner (Own work (Own Photo)) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

 

Reschenpass Passhoehe Blick Sued

Radweg über Gebirgspass, Hochgebirge (Reschenpass / Passo di Resia, Italien)

Bildnachweis:By Sönke Kraft aka Arnulf zu Linden (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

 

Technische Ausrüstung

Seit den 1980er Jahren wurde einiges an Spezialausrüstung für Radreisen entwickelt. Vieles davon ist allerdings allgemeine Freizeit- und Outdoor-Ausrüstung, deren Markt in den letzten Jahrzehnten erheblich zugenommen hat. Speziell für den Fahrradtourismus wurden strapazierfähige wetterfeste Packtaschen entwickelt, die inzwischen von vielen Radlern auch zum Einkaufen und den Weg zur Arbeit verwendet werden.

Einige besonders leistungsfähige und haltbare Teile sind allerdings wieder vom Markt verschwunden, da die Zahl kleiner Radreisen stärker zugenommen hat als die Extremtouren. Zwar hat der Anteil luxuriös ausgestatteter Fahrräder am Angebot deutlich zugenommen, aber ergonomische Qualität und Haltbarkeit orientieren sich eher an Fahrleistungen unter 1000 km pro Jahr. So müssen meistens immer noch Teile getauscht und andere Veränderungen vorgenommen werden, um aus einem handelsüblichen Fahrrad ein auf den jeweiligen Radtouristen zugeschnittenes Reiserad zu machen. Für den Einsatz abseits der öffentlichen Straßen eignen sich Trekkingräder, das sind Kombinationen aus Reiserad und Mountainbike.

 

Gepäck und Gewicht

Überladen: 60 kg Gepäck

Neben Bekleidung und Lebensmitteln werden oft Schlafsack, Zelt, Isomatte und Kochgeschirr, wenn nicht in Beherbergungsstätten übernachtet wird, sowie auch Kartenmaterial/GPS-Ausrüstung und Kameraausrüstung mitgeführt. Die Verwendung wasserdichter Packtaschen ist zweckmäßig, erhöht das Gewicht aber ebenfalls. Zum vollständigen Reisegepäck gehören auch Werkzeug und Ersatzteile, sowie ein Erste-Hilfe-Set für Unfälle. Der Proviant deckt je nach Reisegegend und individueller Vorliebe nur den Bedarf an Getränken und Nahrung für ein bis zwei Stunden oder den für mehrere Tage.

Das Gesamtgewicht eines beladenen Reiserades beträgt abhängig von der Ausrüstung und Reisedauer zwischen 15 und 70 Kilogramm, in Einzelfällen auch mehr. Das Fahrverhalten ist direkt vom Gesamtgewicht von Fahrrad und Gepäck abhängig. Bis zu 40 kg Zuladung kann ein normal gebauter Fahrer ohne weiteres beherrschen, wenn das Gepäck sinnvoll verteilt ist. Bis 60 kg ist einige Übung erforderlich, vor allem bei sehr langsamer oder sehr schneller Fahrt. 80 kg sind bei einem ‚echten‘ Reiserad gerade noch beherrschbar. Das Fahrrad kann anfangen zu flattern. Reifenpannen sind häufiger, und in der Fahrt gefährlicher, bei zu leichter Bauweise und schlechtem Material kann es zu vermehrten Speichenbrüchen oder gar zum Gabel- oder Rahmenbruch kommen. Manche Radreisenden ziehen für viel Gepäck einen Fahrradanhänger vor.

 

Einzelfahrer oder Fahren in der Gruppe

Der Einzelfahrer ist bei der Gestaltung der Etappen flexibler. Pausen und kurze Halte, z. B. zum Fotografieren, können spontan eingelegt werden, sofern die Verkehrssituation dies zulässt. Ebenso kann die Route, sofern mehrere Alternativen existieren, spontan gewechselt werden. Das Landschaftserlebnis kann intensiver sein, da keine Aufmerksamkeit auf Mitfahrer gerichtet werden muss und die Sicht vor allem nach vorn nicht durch Mitfahrer eingeschränkt wird. Dafür muss der Einzelfahrer auch die Gepäckstücke, die in einer Gruppe nicht jeder Fahrer mitführen muss, mitführen. Dies gilt insbesondere für Kartenmaterial/GPS-Ausrüstung, Erste-Hilfe-Set und Werkzeug sowie, falls nicht in Beherbergungsstätten übernachtet wird, auch für Zelt und Kochgeschirr. Bei Unfällen oder Pannen muss sich der Einzelfahrer selbst helfen, oder, wenn dies nicht möglich ist, auf Hilfe warten. Außerdem fährt der Einzelfahrer ständig im Wind.

Das Fahren in der Gruppe vermittelt ein Gruppenerlebnis. Gepäckstücke, die nicht jeder Fahrer mitführen muss, können auf die Gruppe verteilt werden, wodurch die Gepäcklast jedes Fahrrades sinkt. Bei Unfällen oder Pannen ist sofort Hilfe verfügbar, sofern nicht die gesamte Gruppe direkt betroffen ist. Dafür müssen Pausen, kurze Halte und die Routenwahl abgestimmt werden. Problematisch sind Gruppen, die sich aus Fahrern mit sehr unterschiedlichem Leistungsvermögen zusammensetzen, da einige Fahrer über- oder unterfordert werden. Bahntransfers mit größeren Gruppen können Schwierigkeiten bereiten, da vor allem in stark frequentierten Zügen oft nicht genügend Stellplatz für alle Fahrräder vorhanden ist.

Das Fahren in der geschlossenen Gruppe erfolgt meist nicht in Radrennsportmanier, da die Gruppe auf Straßen der Belastung durch Kraftfahrzeugverkehr ausgesetzt ist und Radwege meist wenig Platz in der Breite bieten. Windschattenfahren ist verbreitet, erfordert jedoch von allen Fahrern erhöhte Aufmerksamkeit auf die Mitfahrer, da der Sicherheitsabstand unterschritten werden kann. Regelmäßige Wechsel an der Spitze sollten selbstverständlich sein, sind aber verkehrs- und wegebedingt nicht jederzeit möglich. Bei Bergauffahrten kann die Gruppe auseinander fallen. Dann ist es üblich, dass am Ende der Bergaufstrecke auf alle Fahrer gewartet wird. Bergabfahrten erfolgen meist nicht in der geschlossenen Gruppe, damit jeder Fahrer einen ausreichenden Sicherheitsabstand zum Vordermann und genügend Platz zum Steuern hat. Die Gruppe sammelt sich dann am Ende der Bergabstrecke.

Organisierte Radreisen

Offizieller Radler-Treffpunkt in Bad Kissingen

Eine Radreise bedeutet, aus eigener Muskelkraft ein Ziel zu erreichen. Da erscheint es auf den ersten Blick als Widerspruch in sich, wenn Reiseveranstalter Radreisen verkaufen. Da aber nicht wenige Radtouristen weder Lust auf Abenteuer haben, noch die Mühe einer akribischen Organisation auf sich nehmen möchten, gibt es durchaus einen Markt dafür.

Sofern es sich um geführte Touren handelt, bieten sie den jeweiligen Interessenten noch weitere Vorteile.

  •     Sie vermitteln ein Gruppenerlebnis.
  •     Sie erschließen Urlaubsregionen mit wenig ausgebildeter Infrastruktur, in die sich viele Leute als Einzelreisende nicht trauen, zum Beispiel die rumänischen Karpaten.
  •     Sie ermöglichen sportliche Großveranstaltungen im Sinn eines Radfernrennens als Volkslauf, zum Beispiel München–Cesenatico.

Fahrrad als Gepäckstück

Viele Radtouristen möchten in Regionen radeln, die ihnen für eine Anreise auf dem Fahrrad zu weit entfernt sind. Damit wird das Fahrrad für einen Teil der Reise zum Reisegepäck.

  •     Bahn: Umweltfreundlicher als PKW und Flugzeug, regelmäßig verkehrend, trotz Netzausdünnung einigermaßen flächendeckend, ist die Bahn eigentlich zur motorisierten Anreise für eine Radtour prädestiniert. Schwierigkeiten bereiten zurzeit Beschränkungen der Fahrradmitnahme in Fernzügen. (z.B. Deutschland: In ICE ist die Fahrradmitnahme ausgeschlossen, Reservierungspflicht für IC). Hindernisse kann es im grenzüberschreitenden Fernverkehr geben. Probleme mit den Bahnsteigtreppen werden europaweit zunehmend durch Kundenaufzüge und spezielle Radlerrampen gelöst.
  •     Bus: Wegen der Schwierigkeiten der Fahrradmitnahme besonders im internationalen Bahnverkehr haben sich mehrere Busunternehmen auf den Fahrradtransport spezialisiert. Busse mit Fahrradanhänger verkehren von einigen niederländischen und deutschen Städten in beliebte Urlaubsregionen. In Linenbussen abseits der großen Radrouten muss das Rad meist im begrenzen Gepäckraum verstaut werden.
  •     PKW: Viele Urlauber transportieren ihr Fahrrad auf dem Autodach oder auf dem Heckfahrradträger des eigenen Wagens. Damit haben sie keine Probleme mit der Handhabung, doch können sie nur solche Touren unternehmen, bei denen sie zum Standort ihres Autos zurückkommen. Ungeschützter Transport, insbesondere auf der Autobahn, kann zu dauerhaften Schäden führen. Hängen die Fahrräder am Heck des Wagens, ist der Windwiderstand und somit der Kraftstoffverbrauch geringer, der Transport sicherer und das Rad geschützter. Zweckmäßig ist ein Heckfahrradträger, bei dem sich im montierten und beladenen Zustand die Heck- oder Kofferklappe noch öffnen lässt.
  •     Flugzeug: Im internationalen Verkehr ist die Fahrradmitnahme im Flugzeug meist unbürokratischer als mit der Bahn. Hierbei ist jedoch häufig die Verwendung eines Fahrradkoffers bzw. einer anderen Verpackung vorgeschrieben. Die Preise für die Fahrradmitnahme variieren in Abhängigkeit von der jeweiligen Fluggesellschaft stark.

 

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